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Bücher 2018


 

Mein pochendes Leben - Ae-ran Kim
Aus dem Koreanischen von Sebastian Bring. CASS VERLAG, 320 Seiten

Ae-ran Kim, geboren 1980 in Incheon (Südkorea), Absolventin der Korean National University of Arts, machte 2005 mit ihrem Erzählband «Lauf, Vater, lauf» Furore; als jüngste Preisträgerin überhaupt erhielt sie dafür den begehrten Hanguk Ilbo-Literaturpreis. «Mein pochendes Leben» ist ihr erster Roman.

Arum leidet an Progerie, der Krankheit des vorzeitigen Alterns. Er ist sechzehn, eigentlich aber schon achtzig. Mit den Jahren verschlechtert sich sein Gesundheitszustand so sehr, dass er stationär behandelt werden muss. Da seine Eltern kein Geld haben, nimmt er an einer Fernsehsendung teil, die um Spenden für Menschen in Notlagen wirbt. In der Folge lernt er per E-Mail ein krebskrankes Mädchen kennen. Aus dieser Beziehung schöpft Arum neuen Lebensmut.

Eine berührende Familiengeschichte, erzählt von einem klugen, alten Jungen mit sehr jungen Eltern. Psychologisch fein beobachtet und mit leisem Humor wird von Menschen erzählt, die trotz der ungewohnten Ausgangssituation – eine höchst seltene Krankheit bei einfachen Menschen im ländlichen Südkorea – vertraut erscheinen, denn die Fragen nach Leben und Tod, Elternliebe und Erwachsenwerden sind auf der ganzen Welt dieselben.

Die Geschichte einer kurzen Ehe - Anuk Arudpragasam
Aus dem Englischen von Hannes Meyer. HANSER BERLIN, 224 Seiten

1988 geboren, wuchs anuk Arudpragasam in Colombo, Sri Lanka, auf, wo er auch heute lebt. Er schreibt auf Tamil und Englisch und schließt derzeit ein Doktorandenstudium in Philosophie an der Columbia University in New York ab.

«Die Geschichte einer kurzen Ehe», sein erster Roman spielt 2009, in den letzten Monaten des Bürgerkriegs in Sri Lanka. Tausende von tamilischen Zivilisten, in Lagern zusammengepfercht, werden bombardiert. Die politische Situation ist jedoch nicht Arudpragasams Thema, sondern das Leben von Menschen, die wissen, dass die Bomben der einen am frühen Morgen und die Rekrutierer der anderen in der Nacht kommen – und dass sie wohl nicht mehr lange zu leben haben.

Erzählt wird die Geschichte eines einzigen Tages im Krieg. Dinesh, ein junger Mann, versorgt Verletzte in einem Lager im Dschungel, läuft ziellos umher, denkt an seine Mutter, die getötet wurde und an deren Gesicht er sich nicht mehr erinnert. Ein Mann bittet ihn, seine Tochter Ganga zu heiraten. Er hofft, dass Dinesh für sie sorgen wird. Ganga ist eine junge, ernsthafte Frau. Die beiden versuchen, ihre unerwartete Nähe zu erkunden, bevor der Krieg sie wieder trennt. In unvergesslichen Szenen lässt Anuk Arudpragasam die menschliche Existenz inmitten der Finsternis in ihrer ganzen Würde aufscheinen.

Vollmond hinter fahlgelben Wolken - Juergen Boos und Anita Djafari (Hrsg.)
Literatur von Frauen aus dem globalen Süden. UNIONSVERLAG, CA. 260 Seiten

Vor 30 Jahren wurde der seit 2013 von Litprom vergebene LiBeraturpreis für Autorinnen aus Afrika, Asien und Lateinamerika ins Leben gerufen. Das Jubiläum ist Anlass, ausgezeichnete Schriftstellerinnen zu würdigen und vorzustellen. Maryse Condé aus Guadeloupe war 1988 die erste Preisträgerin.

Von Haiti bis Singapur, von Indien bis Argentinien, von Senegal bis Südkorea, von Saudi-Arabien bis Vietnam – so vielstimmig ist der Chor der in dieser Anthologie versammelten literarischen Stimmen. Mit starken Geschichten von Liebe und Sexualität, Gewalt, Krieg und Politik, Familienalltag und Selbstverständnis, und nicht zuletzt vom Leben zwischen den Kulturen wird die Welt aus weiblicher Perspektive nahegebracht. Nicht nur geografische Grenzen werden überschritten, auch die Grenzen sozialer Zugehörigkeiten sowie die zwischen den Generationen. Hier stehen die «großen alten Damen» wie Maryse Condé und Assia Djebar ganz selbstverständlich neben Debütantinnen, international renommierte neben (hierzulande) noch unbekannten Schriftstellerinnen.

Der Extrablick auf diese besondere Landkarte in Zeiten der Globalisierung ist erhellend, die Frage der Gleichberechtigung ist längst nicht mehr nur Sache der Frauen. Es ist Zeit, die Koordinaten des weiblichen Anteils an der Weltliteratur neu zu vermessen.

Die Strasse zum 10. Juli - Nona Fernández
Aus dem chilenischen Spanisch von Anna Gentz. SEPTIME VERLAG, 336 Seiten

Nona Fernàndez wurde 1971 in Santiago de Chile geboren und ist seit ihrer Schauspielausbildung als Drehbuchautorin, Schauspielerin und freischaffende Schriftstellerin tätig. Sie veröffentlichte mehrere Romane und Erzählbände. Ihr Roman «Av. 10 de Julio Huamachuco» wurde mit dem chilenischen Literaturpreis Premio Municipal de Literatura ausgezeichnet.

Immer wieder zieht es Greta in die «Straße zum 10. Juli» in Santiago de Chile, die berühmte Straße der Ersatzteilverkäufer. Hier sucht Greta die nötigen Teile, um den Schulbus, in dem ihre Tochter tödlich verunglückte, wieder zusammenzusetzen. Ihre rastlose Suche zerstört nicht nur ihre Ehe, sie führt sie auch in das verlassene Haus ihrer Jugendliebe Juan, das als einziges Gebäude der Gegend trotzig den Abrissplänen einer Baufirma widersteht. Doch Juan ist verschwunden.Wie er sind auch andere verschwunden: die Freunde der kommunistischen Jugendbewegung zu Zeiten der Militärdiktatur, die Kinder der Colonia Dignidad. Vielleicht werden sie alle irgendwo in einem Loch im Boden gefangen gehalten? Unter der Erde Chiles brodelt es gewaltig.Nona Fernández geht ökonomisch mit Sprache um und bevorzugt in ihren Erzählstrukturen den Dialog. Nicht zuletzt dadurch erzeugt sie Bilder von kinematografischer Aussagekraft.

Bücher 2017 ^


 

Der Ort, an dem die Reise endet - Yvonne Adhiambo Owuor
Aus dem Englischen von Simone Jakob. Dumont Buchverlag, 512 Seiten

Kenia, 2007. Odidi Oganda, ein hochtalentierter Student, wird in den Straßen Nairobis erschossen. Seine Schwester Ajany kehrt aus Brasilien zurück, um mit ihrem Vater seinen Leichnam nach Hause zu überführen. Doch die Heimkehr auf die verfallene Farm im Norden des Landes hält keinen Trost für sie bereit. Zu schmerzhaft sind die Erinnerungen, die der Mord heraufbeschworen hat und die die Familie im Griff halten: an die koloniale Gewaltherrschaft und die blutigen Auseinandersetzungen nach der Unabhängigkeit. Ajanys Mutter flieht von Wut und Trauer erfüllt in die Wildnis. Und ihr Vater muss sich einer brutalen Wahrheit stellen. Yvonne Adhiambo Owuor erzählt in einer Sprache voller Kraft und Intensität auch eine Geschichte von universeller Dringlichkeit – von Macht und Täuschung, von unerwiderter Liebe und dem unbeirrbaren Willen zum Überleben.

Yvonne Adhiambo Owuor wurde 1968 in Kenia geboren. 2003 wurde eine ihrer Kurzgeschichten mit dem Caine Prize for African Writing ausgezeichnet. «Der Ort, an dem die Reise endet» ist ihr erster Roman, für den sie 2015 den Jomo Kenyatta Prize for Literature erhalten hat. Yvonne Adhiambo Owuor lebt in Nairobi.

Double Negative - Ivan Vladislavić
Aus dem Englischen von Thomas Brückner. A1 Verlag, 256 Seiten

Der junge Neville Lister begleitet den berühmten Fotografen Saul Auerbach für einen Tag, um eine Lektion fürs Leben zu lernen. Auf einem Hügel über Johannesburg wählen sie sich drei Häuser aus und beschließen, auf der Suche nach einer Geschichte an ihre Türen zu klopfen, aber schon bald schwindet das Tageslicht. Auerbachs Bilder der ersten beiden Häuser werden klassische Portraits. Jahre später kehrt Lister in das Post-Apartheid-Südafrika zurück und sucht das dritte Haus. Johannesburg hat sich fast bis zur Unkenntlichkeit verändert. «Double Negative» fängt das gewöhnliche Leben von Neville Lister während der außergewöhnlichen Revolution Südafrikas ein. Ivan Vladislavić ist ein genauer Erzähler der Wirklichkeit, die ihn umgibt, und weiß diese differenziert und mit höchster sprachlicher Eleganz in poetische Bilder umzusetzen.

Ivan Vladislavić wurde 1957 in Pretoria geboren und lebt seit Anfang der siebziger Jahre in Johannesburg. Er studierte afrikaanische und englische Literatur und arbeitet heute als freier Lektor und Schriftsteller. Er gab Werke zu zeitgenössischer Kunst und Architektur heraus, schrieb Texte für Bücher der Fotografen
David Goldblatt und Roger Palmer und verfasste Essays, Romane und Erzählungen.

Was das Meer ihnen vorschlug -  Tomás González

Aus dem Spanischen von Rainer und Peter Schultze-Kraft. Mareverlag, 160 Seiten.

Als nichtsnutzige Versager betrachtet der misanthropische Hotelbesitzer seine fast erwachsenen Zwillingssöhne Mario und Javier. Nachdem sie jahrelang unter ihm gelitten haben, bringen die beiden dem herrischen Vater ihrerseits lang gewachsene Ablehnung entgegen. Schließlich hat nicht zuletzt dessen schamloses Verhältnis mit einer anderen Frau ihre Mutter krank gemacht. Eines Nachmittags begeben sich Vater und Söhne zum Fischen auf hohe See. Doch vor der karibischen Küste braut sich ein schweres Unwetter zusammen. Als ihr Motorboot in Seenot gerät und der Vater plötzlich über Bord geht, erkennen die Brüder eine Chance, die so verlockend wie grausam ist. In siebenundzwanzig vielstimmigen Kapiteln schildert Tomás González die schicksalsträchtigen Stunden, in denen zwei Brüder eine Entscheidung über Leben und Tod fällen müssen.

Tomás González wurde 1950 in Medellín geboren. Er studierte Philosophie in Bogotá und begann in den achtziger Jahren mit dem Schreiben von Erzählungen, Romanen und Gedichten, von denen viele ins Deutsche übertragen worden sind. González zählt zu den wichtigsten kolumbianischen Autoren der Gegenwart.

Der letzte Granatapfel - Bachtyar Ali

Aus dem Kurdischen (Sorani) von Ute Cantera-Lang und Rawezh Salim. Unionsverlag, 352 Seiten

An Bord eines Bootes, das ihn zusammen mit anderen Flüchtlingen übers Mittelmeer in den Westen bringen soll, erzählt Muzafari Subhdam seine Geschichte. Selbst ein hochrangiger Peschmerga, rettete er dem legendären kurdischen Revolutionsführer einst das Leben, als sie von Truppen des Regimes umstellt waren. Er aber geriet in 21-jährige Gefangenschaft, mitten in der Wüste. Wieder in Freiheit, begibt er sich auf eine Reise durch das, was aus seinem Land geworden ist. Eine Reise durch Geschichten, Geheimnisse und zu Personen, die ihm dabei helfen, seinen verschollenen Sohn zu finden. Dieser Roman von scharfer Aktualität und berückender Poesie erzählt von verwunschenen Schlössern, von Honigsammlern, von Kindern auf Schlachtfeldern, von den weißen Schwestern – und von einem Jungen mit Namen «Glasherz», der von einer Welt träumt, in der alles durchsichtig und rein ist.

Bachtyar Ali wurde 1966 in Sulaimaniya (Nordirak) geboren. 1983 geriet er durch sein Engagement in den Studentenprotesten in Konflikt mit der Diktatur Saddam Husseins. Er brach sein Geologiestudium ab, um sich der Poesie zu widmen. Sein Werk umfasst Romane, Gedichte und Essays. Bachtyar Ali, der in Kurdistan Kultstatus genießt, lebt seit Mitte der neunziger Jahre in Deutschland.

Bücher 2016 ^


 

TIGERMANN - Eka Kurniawan
Aus dem Indonesischen von Martina Heinschke. Ostasien Verlag, 227 Seiten

Ein dörfliches Wohngebiet am Rand einer Kleinstadt an Javas Südküste: Jeder kennt jeden, Alteingesessene leben neben neu Zugezogenen, die einen recht gutgestellt, die anderen mühsam um Arbeit und ein Auskommen kämpfend. Die Erzählung beginnt mit der Nachricht von einem brutalen Mord. Margio, ein stiller Junge, zwanzig Jahre alt, hat seinen Nachbarn getötet, indem er ihm die Kehle durchgebissen hat. Was sind die Hintergründe der Tat?
Sprachlich präzise, dicht und mit ungewöhnlichen Metaphern lässt Eka Kurniawan Margios Welt entstehen. Der Roman bietet eine überzeugende soziale und psychologische Darstellung, wobei der Rekurs auf den Tigermythos ein magisches Element einflicht und mit dessen Grenzen spielt.

Eka Kurniawan wurde 1975 in West-Java geboren. Sein Studium an der philosophischen Fakultät der Universität Gajah Mada in Yogyakarta schloss er mit einer Arbeit über den bekanntesten indonesischen Schriftsteller des 20. Jahrhunderts ab, Pramoedya Ananta Toer. Kurniawan schreibt Romane, Kurzgeschichten, Essays, journalistische Kommentare und zeichnet Comics.

LASST MICH DA RAUS - María Sonia Cristoff
Aus dem Spanischen von Peter Kultzen. Berenberg Verlag, 160 Seiten

Mara, im früheren Leben Konferenzdolmetscherin, will endlich ihre Ruhe haben. Ein Jahr. Mindestens. Und so nimmt sie in einem obskuren Heimatkundemuseum in der argentinischen Provinz eine Stelle als Saalwächterin an. Dumm nur, dass sie so schnell befördert wird und einem geschwätzigen Tierpräparator zur Hand gehen muss. Soll das Schweigejahr nicht für die Katz sein, gilt es, drastischere Maßnahmen zu ergreifen – die zu allseitigem Erstaunen eine Art Happy End mit sich bringen (außer vielleicht für den Präparator). Elegant, witzig, klug und zutiefst radikal: ein kleiner, feiner Anarchistenroman! «Der Humor und die scharfzüngigen Beobachtungen der Erzählerin sind ein intellektueller Genuss». Silke Kleemann in LiteraturNachrichten Nr. 123

María Sonia Cristoff wurde 1965 in Trelew, Patagonien, geboren und studierte Literatur in Buenos Aires, wo sie auch heute lebt. Ihre Beiträge erscheinen in verschiedenen argentinischen Zeitungen und literarischen Magazinen, und sie unterrichtet Patagonische Literatur sowie Kreatives Schreiben. Reisen und die Beschäftigung mit nicht fiktionaler Literatur sind zentrale Elemente ihrer Arbeit als Schriftstellerin. Neben Reportagen hat sie mehrere Romane veröffentlicht.

DER VERRÜCKTE VOM FREIHEITSPLATZ 
und andere Geschichten über den Irak - Hassan Blasim
Aus dem Arabischen von Hartmut Fähndrich. Verlag Antje Kunstmann, 256 Seiten

Hassan Blasims Geschichten schildern den Irak der letzten Jahrzehnte als surrealistisches Inferno – den Krieg mit dem Iran, die Herrschaft und den Sturz Saddam Husseins, die Besatzungszeit, die Eskalation der Gewalt und die sich ausdehnende Wüste der Erinne¬rung – und sie erzählen von der Emigration, von den Grenzen und Zäunen, den Ämtern und Verstecken, der Einsamkeit und der Entfremdung, der die Flüchtlinge ausgesetzt sind. Vor allem aber erzählen sie von Menschen, von ihren Traumata und Albträumen, von ihren Hoffnungen und Enttäuschungen, von ihrem Schmerz und ihren Strategien, in einer wahnsinnigen Wirklichkeit zu überleben.

Hassan Blasim wurde 1973 in Bagdad geboren und studierte dort an der Filmhochschule. 1998 zog er in den kurdischen Teil des Irak, wo er aus Angst um seine Familie unter dem Pseudonym Ouzad Osman Filme drehte, u.a. den Spielfilm „Wounded Camera“. 2004 emigrierte er nach Finnland. Die erste Sammlung seiner Kurzgeschichten erschien 2009 unter dem Titel „The Madman of Freedom Square“

ERSCHLAGT DIE ARMEN! - Shumona Sinha 
Aus dem Französischen von Lena. Edition Nautilus, 128 Seiten

„Erschlagt die Armen!“ ist Titel eines Prosagedichts von Charles Baudelaire, und die Protagonistin dieses Romans scheint ihn wörtlich genommen zu haben: Die junge Frau schlägt einem Migranten in der Metro eine Weinflasche über den Kopf. Was treibt eine dunkelhäutige Frau indischer Abstammung, die in der Asylbehörde als Dolmetscherin zwischen Asylbewerbern und Beamten vermittelt, zu einer solchen Tat? Täglich übersetzt sie das Jammern und die Lügen der Asylbewerber, deren offensichtliches Elend der Behörde nicht reicht – und ist angewidert vom System, dessen Teil sie geworden ist. Als Migrantin bleibt sie fremd in den Augen der Beamten, aber auch ihren ehemaligen Landsleuten ist sie fremd – als eine, die es geschafft hat. Schließlich scheint es auch für sie in der menschengemachten Enge der Welt keine andere Begegnung als den Angriff zu geben.

Shumona Sinha wurde 1973 in Kalkutta geboren und lebt seit 2001 in Paris. An der Sorbonne schloss sie in Literaturwissenschaft ab. Sie arbeitete als Lehrerin für Englisch; ab 2009 war sie als Dolmetscherin für Asylsuchende tätig. Nach der Veröffentlichung von „Erschlagt die Armen!“ 2011 verlor sie ihre Arbeit bei der französischen Migrationsbehörde.

Bücher 2015 ^


 

FLÜCHTIGE SEELEN - Madeleine Thien, Kanada
(Dogs at the Perimeter) Aus dem Englischen von Almuth Carstens. Luchterhand Literaturverlag, 256 Seiten

In «Flüchtige Seelen» folgt Madeleine Thien den Erinnerungen, Verletzungen und Träumen ihrer Figuren aus dem Kanada der Gegenwart in den Dschungel Kambodschas in den siebziger Jahren, als die Roten Khmer mit brutalem Terror und der Ermordung von Millionen von Menschen eine neue Gesellschaftsordnung errichten wollten. Der Roman befasst sich mit der Wahrheitsfindung einer kanadischen Forscherin, deren Familie unter der Herrschaft des Roten-Khmer-Regimes auseinandergerissen wurde und die, auf der Suche nach ihrem verschwundenen Freund und Mentor, allmählich auch die Schicksale weiterer Opfer beleuchtet. Mit klarer, sanfter Sprache erzählt sie von Verlust und der Wiedergewinnung der Menschlichkeit.

Madeleine Thien wurde 1974 in Vancouver geboren. Ihre Eltern stammen aus Malaysia und China und emigrierten in den 1960ern nach Kanada. Thien studierte Tanz, wechselte dann 1994 über zu Literatur. «Einfache Rezepte», eine Sammlung von Kurzgeschichten, wurde mit mehreren Literaturpreisen ausgezeichnet. Ihr Debütroman «Jene Sehnsucht nach Gewissheit» wurde in sechzehn Sprachen übersetzt.

DAS VERBORGENE LEBEN DER PFLANZEN - Lee Sung-U, Korea
Aus dem Koreanischen von Ki-Hyang Lee. Unionsverlag, 224 Seiten
 
Der Privatdetektiv Ki-Hyeon bekommt den Auftrag, eine Frau zu beschatten. Der Kunde bleibt anonym, und als er die Frau zu Gesicht bekommt, schreckt er zurück: Es ist seine Mutter. Soll er den Auftrag annehmen? Schicht um Schicht taucht er ein in Geheimnisse. War es wirklich ein Unfall, dass sein Bruder, ein talentierter Fotograf, in der Armee beide Beine verlor? Warum ist das Mädchen verschwunden, das vor dem Unfall des Bruders große Liebe war? Und wer ist der große Unbekannte, der im Leben der Mutter auftaucht, als gehöre er mit zur Familie? Was weiß der Vater, der fast wortlos seine Rolle in diesem beklemmenden Familienverbund spielt? Dieser kunstvoll komponierte Roman legt eine dramatische Familiengeschichte frei, in der zum Schluss die Liebe über Schuld, Beklemmung und Schweigen siegt. 

Lee Sung-U wurde 1959 in einem kleinen Küstenort in Südkorea geboren. Er studierte Theologie und lehrt neben seiner Arbeit als Schriftsteller Koreanische Literatur an der Universität von Chosun. Er schrieb zahlreiche Erzählbände und Romane, die mehrfach ausgezeichnet wurden.

DIE GEHEIMEN LEBEN DER FRAUEN DES BABA SEGI - Lola Shoneyin, Nigeria
(The Secret Lives of Baba Segi's Wives) 
Aus dem Englischen von Susann Urban. Edition Büchergilde, 288 Seiten

In «Die geheimen Leben der Frauen des Baba Segi» gerät eine wohlhabende Familie in eine Krise, als der Patriarch Baba die junge und gut ausgebildete Bolanle als vierte Frau in seine polygame Ehe bringt. Von Außen scheint es, als würde das Leben der Frauen um Baba Segi harmonisch verlaufen, aber unter der Oberfläche brodelt es. Die Frauen müssen nicht nur ihre Position mit allen Mitteln verteidigen, sondern auch noch darauf achten, dass es der Ehemann nicht bemerkt. Denn eine streitsüchtige Ehefrau fällt in Ungnade. Lola Shoneyin verfügt über eine ungewöhnliche Sprache, ihre Wurzeln liegen in der Dichtung. Klug und humorvoll verflicht sie die Stimmen der Frauen, des Ehemanns und des Erzählers miteinander.

Lola Shoneyin wurde 1974 in Ibadan geboren. Nach langen Jahren im Lehrberuf lebt Shoneyin heute in Lagos und organisiert das Aké Arts and Book Festival. Ihr Werk beinhaltet auch Gedichtbände und Kinderbücher. Ihr erster Roman «The Secret Lives of Baba Segi′s Wives» (2010) wurde mehrfach ausgezeichnet.

SCHWEINEZEITEN - Gary Victor, Haiti
(Saison de Porcs) Aus dem Französischen von Peter Trier. Litradukt, 130 Seiten

Ein drückend heißer Sommer in Haiti. Inspektor Dieuswalwe Azémar hält sich für eine gescheiterte Existenz. Da er sich der allgemeinen Korruption verweigert, wird er sein Leben lang als Versager gelten, dem nur die Flucht in den Alkohol bleibt. Als das Leben seiner Tochter in Gefahr gerät, findet er seine Reflexe als Elitepolizist wieder und zieht, bewaffnet mit seiner Beretta und viel Zuckerrohrschnaps, in den Krieg gegen Bestechung und okkulte Machenschaften. Was verbirgt sich hinter der «Kirche vom Blut der Apostel »? Was hat das mit dem Traum seiner Tochter zu tun? Und was ist das für eine seltsame Verwandlung, die mit seinem ehemaligen Assistenten vor sich geht? Ein Voodookrimi mit all den Zutaten, die Inspektor Azémar in Haiti zu einer Kultfigur machen, je unwirklicher, desto realistischer.

Gary Victor wurde 1958 in Port-au-Prince geboren. Der studierte Agronom gehört zu den meistgelesenen Schriftstellern Haitis. In seinen Romanen, Erzählungen und Theaterstücken verbindet sich beißende Sozialkritik mit schwarzem Humor und überbordender Phantasie.

Bücher 2014 ^


 

Luiz Ruffato [Brasilien] - Mama, es geht mir gut (Mamma, son tanto felice)
Roman, aus dem brasilianischen Portugiesisch von Michael Kegler. Assoziation A, 160 Seiten.

Ein brutaler Familienpatriarch, der mit Axthieben und Brandrodung das Land urbar macht und seine junge Frau „an die Nabelschnur endloser Schwangerschaft“ fesselt. Eine unter Schmerzen sterbende Frau. Ein Sohn, der in einem Dialog mit seiner Mutter die Vergangenheit Revue passieren lässt. Ein Mann, der sich eines Verbrechens schuldig fühlt, das er vielleicht gar nicht begangen hat. Schonungslos beschreibt Luiz Ruffato die Härte, die Entbehrungen und die Grausamkeit des Landlebens, das die Welt italienischer Einwandererfamilien im Hinterland der Berge von Minas Gerais/Brasilien in der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts prägt. Der Roman bildet den Auftakt des Romanzyklus Vorläufige Hölle. In einer Art literarischer Collage, kühn und raffiniert erzählt, verleiht Luiz Ruffato den Armen, den einfachen Leuten, den Migranten Stimmen – unprätentiös und frei von Sozialromantik.

Luiz Ruffato lebt in São Paulo. Er arbeitete u. a. als Verkäufer und Mechaniker und studierte Journalismus. Zwischen 2005 und 2011 schrieb er den fünfbändigen Zyklus Inferno provisório. 2013 war er der literarische Eröffnungsredner der Frankfurter Buchmesse.

Anne Landsman [Südafrika] - Wellenschläge (The Rowing Lesson)
Roman, aus dem Englischen von Miriam Mandelkow. Schöffling & Co., 272 Seiten.

Bei der weißen Landbevölkerung und den armen schwarzen Familien Kapstadts heißt er Dokter God – Harold Klein ist ein leidenschaftlicher, allseits respektierter Arzt, aber auch aufbrausend und herrschsüchtig, wie seine Tochter Betsy nur zu gut weiß. Sie hat sich ihm und Südafrika entzogen, um in New York ein Leben als Künstlerin zu führen. Als ihr Vater überraschend ins Krankenhaus eingeliefert wird und das Bewusstsein verliert, kehren sich die Rollen um: Er ist nun Patient, und die Tochter spürt seinem Leiden nach – das tief in der Familienbiografie und der Geschichte seines Landes wurzelt. Der Roman ist ein imaginäres Zwiegespräch über die Kindheit und Jugend des Vaters. Zu dessen intensivsten Momenten gehören Ruderausflüge auf dem Fluss Touw, einem alles entscheidenden Sehnsuchtsort für Vater und Tochter. In Wellenschläge erzählt Anne Landsman in einer einzigartig fließenden Sprache vom Leben einer jüdischen Familie vor dem Hintergrund des Zweiten Weltkriegs bis hinein in das Südafrika der Apartheid.
Anne Landsman studierte an der Universität von Kapstadt und der Columbia University. Für Wellenschläge erhielt sie zahlreiche Auszeichnungen, darunter den Sunday Times Fiction Prize.

Manu Joseph [Indien] - Das verbotene Glück der anderen (The Illicit Happiness of Other People)
Roman, aus dem Englischen von Claudia Wenner. C.H.Beck, 375 Seiten.

Der siebzehnjährige Unni Chacko hat etwas Schreckliches getan. Drei Jahre nach seinem Selbstmord erhält sein Vater, der Journalist Ousep Chacko, mit der Post ein Päckchen mit einem Comic seines künstlerisch hochbegabten Sohnes – ein Irrläufer, der Ousep erneut auf die Suche nach den Gründen für den Tod seines Sohnes schickt. Er befragt seine ehemaligen Freunde, besucht Treffen der Comic-Zeichner, belästigt einen berühmten Neuropsychiater, entdeckt das ungewöhnliche Leben seines Sohnes und dringt zugleich immer tiefer in die Geheimnisse der eigenen Familie ein. Der Roman, der in den 1990er Jahren in Madras spielt, klug, scharfsinnig, komisch und sehr anrührend, erzählt vom Leben einer schwer gebeutelten Familie, von Wahrheitssuche und Liebe. Spannend und herzzerreißend.

Manu Joseph, geboren 1974, lebt in Delhi und ist Herausgeber des Open Magazine. Er war u. a. Redakteur bei The Times of India und veröffentlichte 2010 den Roman Serious Men, für den er den Hindu Literary Prize erhielt.

Carlos Sampayo & José Muñoz [Argentinien] - Carlos Gardel – Die Stimme Argentiniens (Carlos Gardel, la voix de l’Argentine)
Comic, aus dem argentinischen Spanisch von Rike Bolte. Reprodukt, 128 Seiten.

Am 24. Juni 1935 verliert die Musik bei einem Flugzeugunglück einen ihrer Weltstars: Carlos Gardel, die wichtigste Persönlichkeit des Tango, die Stimme Argentiniens, ein Mythos bereits zu Lebzeiten. Seine Landsleute Carlos Sampayo und José Muñoz haben dem großen Tangosänger und -komponisten nun einen Comic von unvergleichlicher Eleganz gewidmet, der die steifen Pfade der biografischen Comics weit hinter sich lässt. Atmosphärisch dicht, sinnlich, voller Leben und Musik, so zeigen sie den Aufstieg des geheimnisumwitterten Carlos Gardel in Buenos Aires und liefern darüber hinaus ein eindrucksvolles Sittengemälde Argentiniens im frühen 20. Jahrhundert.

Carlos Sampayo emigrierte aus politischen Gründen nach Spanien, wo er die Bekanntschaft von José Muñoz machte, für den er u. a. die Comic-Biografie der Jazzsängerin Billie Holiday verfasste. Neben Comics schreibt Carlos Sampayo auch Romane und arbeitet als Musikkritiker.

José Muñoz siedelte in den frühen 1970er Jahren nach Europa über. Mit den Hard-boiled-Krimis um „Alack Sinner“ etablierte er seinen schnörkellos-expressiven Zeichenstil.

Bücher 2013 ^


 

Jamil Ahmad [Pakistan] - Der Weg des Falken (The Wandering Falcon)
Roman, aus dem Englischen von Giovanni und Ditte Bandini (Hoffmann und Campe Verlag, 176 Seiten)

Tor Baz’ Schicksal steht unter einem schlechten Stern. Seine Eltern haben die Stammesregeln verletzt, waren jahrelang auf der Flucht und werden schließlich doch von ihren Angehörigen aufgespürt und erbarmungslos gerichtet. Den Sohn lässt man allein in der Wüste zurück. Zwar überlebt er, doch sein Leben entpuppt sich als einzige Odyssee über die Grenzen dreier Länder hinweg: Tor Baz erlebt Stammeszwiste und Mädchenhandel, er begegnet Rebellen und Militärs, aber auch ganz normalen Männern und Frauen, die alles geben würden, um ihre traditionelle Lebensweise zu bewahren. Die jedoch beginnt sich vor ihren Augen aufzulösen.

Jamil Ahmad wurde 1933 in Jalandhar, Indien, geboren und lebt heute in Islamabad. 1979 war er als Minister in der pakistanischen Botschaft in Kabul tätig. Sein Debüt Der Weg des Falken wurde erst 30 Jahre nach seiner Entstehung veröffentlicht.

Alain Mabanckou [Republik Kongo] - Zerbrochenes Glas (Verre cassé)
Roman, aus dem Französischen von Holger Fock und Sabine Müller (Liebeskind, 224 Seiten)

„Zerbrochenes Glas“ ist Stammkunde einer heruntergekommenen Bar in Brazzaville, deren Name Programm ist: „Angeschrieben wird nicht“. Tag für Tag versammelt sich hier ein Haufen skurriler Gäste, um Palmwein zu trinken und über das Leben zu schwadronieren. Der Kirche ist die Bar ein Dorn im Auge, denn manch einer der Gläubigen erliegt der Versuchung, die Messe zu schwänzen und stattdessen einen zur Brust zu nehmen. Doch die ständigen Anfeindungen lassen den Wirt kalt, schließlich nennt man ihn nicht umsonst „Sture Schnecke“. Und die Kundschaft zeigt sich solidarisch bis zum letzten Tropfen: Als „Zerbrochenes Glas“ sich daranmacht, für die Nachwelt die Historie des Etablissements niederzuschreiben, erzählt jeder Gast nur allzu gerne die Geschichte seines Lebens ...Der Bartresen wird zur großen Weltbühne.
Der Autor, geboren 1966, wurde 2012 von der Académie française für sein Gesamtwerk mit dem Grand Prix de Littérature ausgezeichnet.

Moacyr Scliar [Brasilien] - Kafkas Leoparden (Os leopardos de Kafka)
Roman, aus dem brasilianischen Portugiesisch von Michael Kegler (Lilienfeld Verlag, 120 Seiten)

1916, kurz vor der Russischen Revolution, fährt der junge Jude Benjamin heimlich nach Prag. Er muss eine von Trotsky gestellte Aufgabe erfüllen: von Kafka eine Botschaft erhalten und dechiffrieren. Eine Kette von Missverständnissen führt in wahrhaft kafkaeske Situationen und wirkt sich bis in die Zeit des brasilianischen Militärputsches von 1964 aus. Kafkas Leoparden ist ein Meisterwerk des großen brasilianischen Autors Moacyr Scliar (1937–2011), der von sich sagte, er sei „Schriftsteller, Arzt und Jude – was nur dazu da ist zu zeigen, was für Bürden ein menschliches Wesen fähig ist, mit sich herumzuschleppen“. Der Roman über ein durch einen Text von Kafka geprägtes Schicksal voll Tragik, Humor, Realismus und Absurdität erscheint zum ersten Mal in deutscher Übersetzung.

Raja Alem [Saudi-Arabien] - Das Halsband der Tauben (Tawq al-Hamam)
Roman, aus dem Arabischen von Hartmut Fähndrich (Unionsverlag, ca. 600 Seiten)

In einer Gasse in Mekkas Altstadt wird eine unbekannte Tote gefunden, nackt, mit entstelltem Gesicht. Die Bewohner sind in Aufruhr, und allmählich kommen verborgene Geheimnisse an den Tag: verbotene Liebesbeziehungen, Familientragödien, aber auch zwielichtige Geschäfte inmitten dieser aufgewühlten Stadt, in der religiöse Tradition und brutale Spekulation aufeinanderprallen.
Inspektor Nasser wird mit der Untersuchung beauftragt. Er taucht ein in die Lebensgeschichten von zwei vermissten Frauen, die an den Hindernissen ihrer Umgebung zerbrachen. Bald stößt er auf bedrohliche Mächte: Korruption und Immobilienprojekte bedrohen die alte, ehrwürdige, heilige Stadt.               
Raja Alems kunstvoller Roman wurde 2011 mit dem International Prize for Arabic Fiction (Arab Booker) ausgezeichnet. Er führt in eine versteckte Welt, die in der Literatur noch nie offengelegt wurde. Die Autorin stammt aus einer alten Mekkaner Familie. Sie studierte Englische Literatur und veröffentlichte Romane, Theaterstücke und Kurzgeschichten.

Bücher 2012 ^


 

Abdellah Taïa [Marokko] - Der Tag des Königs (Le jour du roi)
Roman, aus dem Französischen von Andréas Riehle (Suhrkamp Verlag, ca. 200 Seiten)

An der Straße von Rabat nach Salé wartet eine Menschenmenge auf die Ankunft König Hassans II. Mitten darin zwei Jungen. Khalid stammt aus einem herrschaftlichen Haus, Omar aus der armen Vorstadt. Dennoch sind sie unzertrennlich. Omar liebt Khalid, den feingliedrigen Jungen mit den überspannten Ideen. Und Khalid Omar, der mit seinen 14 Jahren schon die Verantwortung für seinen Vater trägt. Doch unter dieser Beziehung der beiden ungleichen Jungen lauern Abgründe. Khalid wurde ausgewählt, als bester Schüler der Klasse, dem König die Hand zu küssen. Er hat Omar nichts davon gesagt. Dieser Verrat verlangt ein Opfer. Lakonisch erzählt Abdellah Taïa, wie Liebe umschlägt in Gewalt unter einem despotischen Regime.

Abdellah Taïa, 1973 in Rabat geboren, lebt heute in Paris. Mit seinen Romanen Une mélancolie arabe und L’armée du salut sowie der Offenlegung seiner Homosexualität durchbrach er ein Tabu der arabischen Welt.

Aminatta Forna [Sierra Leone/ Großbritannien] - Ein Lied aus der Vergangenheit (The Memory of Love)
Roman, aus demEnglischen von Giovanni Bandini (Deutsche Verlags-Anstalt, ca.650 Seiten)

Westafrika: Der britische Psychologe Adrian Lockheart kämpft mit dem Staub und der Hitze Sierra Leones – und mit dem Schweigen eines Volkes, dem er helfen will, die Schrecken der Vergangenheit zu überwinden. Im Krankenhaus findet er unerwartete Freundschaft bei Kai, einem jungen Kollegen, und Elias, einem Patienten, der auf dem Sterbebett damit hadert, während des Krieges den Weg des geringsten Widerstands gegangen zu sein. Es kristallisiert sich heraus, dass die drei Männer durch mehr verbunden sind, als sie ahnen: durch die Liebe zu derselben Frau. Ein bildkräftiges Epos über gewöhnliche Menschen, die mit ungewöhnlichen Umständen kämpfen müssen; über Freundschaft, Träume und Verluste und die Macht der Liebe.

Aminatta Forna wurde in Glasgow geboren, wuchs in Sierra Leone auf und kehrte als Erwachsene nach Großbritannien zurück. Nach einer preisgekrönten Karriere als Journalistin für BBC Television arbeitet sie nun als freie Autorin in London. Ein Lied aus der Vergangenheit ist ihr zweiter Roman; er wurde u.a. mit dem Commonwealth Writer’s Prize ausgezeichnet.

Helon Habila [Nigeria] - Öl auf Wasser (Oil on Water)
Roman, aus dem Englischen von Thomas Brückner (Verlag das Wunderhorn, Reihe AfrikAWunderhorn, ca. 240 Seiten)

Port Harcourt, Nigeria, im Delta des Niger. Eine Frau verschwindet. Dies wäre keine Nachricht wert, handelte es sich nicht um eine Britin, die Ehefrau eines hochrangigen Mitarbeiters einer ausländischen Ölgesellschaft, die im Delta und vor der Küste nach Öl bohrt. Die Entführung ist offensichtlich das Werk einer Rebellengruppe, die gegen die Ölgesellschaften kämpft, die das Land ausbeuten und zerstören. Als eine Lösegeldforderung eingeht, wittert der junge Journalist Rufus die Chance zu einer großen Story und macht sich mit dem Starreporter Zaq auf die Suche nach der Entführten – eine Reise in eine apokalyptische Welt. Dieser Bildungsroman ist Um weltkrimi, Politthriller und anrührende Liebesgeschichte zugleich.

Helon Habila, 1967 in Nigeria geboren, erhielt für seinen ersten Roman Waiting for an Angel den Caine Prize for African Writing und 2003 den Commonwealth Writers‘ Prize für das beste Debüt. Er lehrt kreatives Schreiben und lebt in den USA und Nigeria.

Jabbour Douaihy [Libanon] -Morgen des Zorns (Matar huzairan) 
Roman, aus dem Arabischen von Larissa Bender (Carl Hanser Verlag, ca. 300 Seiten)

Zwanzig Jahre, nachdem ihn seine Mutter Kamila in die amerikanische Emigration geschickt hatte, kehrt Elija in sein Heimatdorf im Libanon zurück – ein zerrissener, beziehungsunfähiger Mensch. Seinen Vater hat er nie kennengelernt, dieser wurde scheinbar versehentlich bei einer Blutfehde zwischen zwei maronitischen Familienclans erschossen. Neun Monate später kommt Elija auf die Welt – für die Dorfbewohner ein Grund mehr, die jahrelang kinderlos gebliebene Mutter zu beargwöhnen. Diese schickt ihn fort, doch Elija bleibt innerlich gebrochen, solange er sich nicht mit der Vergangenheit seines Vaters auseinandersetzt. Der Autor erzählt von den Gefahren des Ge meinschaftsdenkens und der Zerbrechlichkeit zwischen menschlichen Vertrauens – eine kühne Analyse der Entstehung von Gewalt.

Jabbour Douaihy, 1949 geboren, arbeitet als Professor für Literatur im Libanon. Mit Morgen des Zorns zählte er 2008 zu den Finalisten des arabischen Booker-Preises.

Bücher 2011 ^


 

Juan Gabriel Vásquez [Kolumbien] - Die geheime Geschichte Costaguanas (Historia secreta de Costaguana)
Roman, aus dem Spanischen von Susanne Lange (Schöffling & Co., ca. 360 Seiten)

Ende des 19. Jahrhunderts scheint die Welt einen neuen Mittelpunkt zu bekommen: In Panama, dem äußersten Zipfel Kolumbiens, wird ein Kanal gebaut, der die Weltmeere verbinden soll. Frankreich und die Vereinigten Staaten stürzen sich auf diesen Ort, ringen hier um Reichtum und Macht. Doch nicht nur die Weltpolitik, auch Joseph Conrad, der seefahrende Romancier, entdeckt diesen Ort für sich. Ließ er sich von der Geschichte Kolumbiens und dem Bau des Panamakanals zu seinem Roman Nostromo inspirieren? In Konkurrenz mit ihm tritt José Altamirano, gebürtiger Kolumbianer, dessen Leben einen tragikomischen Gegenpart zu dem des weltberühmten Schriftstellers bildet – er zieht alle Register, um den großen Romancier zu überbieten.

Der Kolumbianer Juan Gabriel Vásquez, der neben seinen Romanen auch zahlreiche Erzählungen und Essays publizierte und als Übersetzer tätig war, lebt heute in Barcelona.

Omair Ahmad [Indien] - Der Geschichtenerzähler (The Storyteller’s Tale) 
Erzählung, aus dem Englischen von Anne Breubeck (Draupadi Verlag, ca. 120 Seiten)  -- nicht mehr lieferbar

Im 18. Jahrhundert wird Delhi durch die Afghanen zerstört. Dadurch wird ein Mann, der nur der „Geschichtenerzähler“ genannt wird, heimatlos. Auf der Flucht findet er Unterschlupf bei einer jungen Fürstin, deren Mann abwesend ist, und erzählt ihr als Gegenleistung für die gewährte Unterkunft die Geschichte zweier Brüder, von denen einer ein Wolf ist. Dass sie ihrerseits mit einer Geschichte antwortet, ist eine Herausforderung für den Erzähler, der nun – wie auch sie wieder im Anschluss – ihre beiden Geschichten verbindet und weiterführt. Geschichten voller Poesie und versteckter Botschaften, mit vielschichtigen Bezügen zu Krieg und unlebbarer Liebe.

Omair Ahmad ist in Indien und Saudi-Arabien aufgewachsen und lebt heute in Delhi.

Mahi Binebine [Marokko] - Die Engel von Sidi Moumen (Les Etoiles de Sidi Moumen)
Roman, aus dem Französischen von Regula Renschler (Lenos Verlag, ca. 200 Seiten)

Yachine erzählt die Geschichte seines Lebens – und wie er es beendete. Mit seinen zehn Brüdern wächst er in Sidi Moumen, einem Elendsviertel am Rande von Casablanca, auf. Es ist die Schilderung einer irdischen Hölle, in der Haschischkonsum, Klebstoffschnüffeln, verbotene Bäder in austrocknenden Flüssen und vor allem der Fussball die wenigen Lichtblicke sind. Gern lauschen Yachine und seine Freunde, die „Engel“, in dieser Lage den Einflüsterungen eines Scheichs, der ihnen das Paradies verheißt. Der Autor folgt den von Gott verlassenen Kindern mit viel Zärtlichkeit, in einer schlichten Sprache und bei aller Düsternis auch mit Humor. Mahi Binebine erhielt für diesen Roman den Prix du Roman Arabe und den ersten Mamounia-Literaturpreis; das Buch wird derzeit von dem französisch-marokkanischen Regisseur Nabil Ayouch verfilmt.

Luis Sepúlveda [Chile] - Unser eigener Schatten (La sombra de lo que fuimos)
Roman, aus dem Spanischen von Willi Zurbrüggen (Rotpunktverlag, ca. 160 Seiten) -- nicht mehr lieferbar

35 Jahre nach Pinochets Putsch treffen die ehemaligen Exilanten Cacho, Lolo und Lucho wieder in Chile aufeinander. Inzwischen sind sie nur noch ein Schatten dessen, was sie einmal waren, nämlich dickbäuchig, glatzköpfig und graubärtig. Sie schwelgen in Erinnerungen und hängen scheinbar den alten Zeiten nach. Aber eigentlich verfolgen die drei Männer einen Plan; sie sind hinter der Beute des berühmten Banküberfalls vom 16. Juli 1925 her. Doch der plötzliche Tod des vierten Mannes im Bunde und das überraschende Wiedersehen mit einem weiteren Kameraden bergen einige Hindernisse, die die alten Männer erst einmal überwinden müssen. Herzlich, lustig und ironisch erzählt Sepúlveda von gesellschaftlichen Verlierern, die nie ihren Glauben an Humor und Liebe verloren haben – und deshalb am Ende doch Gewinner sind.

Luis Sepúlveda, der für diesen Roman 2009 den Primavera de Novela Preis erhielt, lebt nach Stationen in Deutschland und Frankreich heute in Spanien.

Bücher 2010 ^


 

Samson Kambalu (Malawi/GB) - Jive Talker
Roman, aus dem Englischen von Marlies Ruβ

Der Name des Jungen bedeutet eigentlich: »Don’t worry be happy«. In einer Welt, wo man nicht gerade mit Goldlöffeln isst und wo hinter jeder Ecke Mambas und Malaria lauern, wird der kleine Samson zum Teenager, der Michael Jacksons Moonwalk perfekt imitiert, Nietzsche mit Vorliebe auf dem Klo liest und sich mit zwölf seine eigene Religion ausdenkt. Sein Vater, der Jive Talker, muss zwar den Traum, ein richtiger Doktor zu werden, gegen eine Anstellung als Hilfsarzt und eine immer größer werdende Familie eintauschen, aber seinem Sprössling impft er einen nie versiegenden Optimismus und den Drang zum Philosophieren ein. Jive Talker ist die sprühende Lebensgeschichte eines Jungen, der in Malawi aufwächst und auszieht, Künstler zu werden. Mit seiner Leidenschaft für die Sprache und einem irrwitzigen Humor bewältigt er Höhen und Tiefen und beschert uns einen rasanten autobiografischen Roman. Der Konzeptkünstler Kambalu, der ihm Roman auch von den Anfängen seines bekanntesten Werkes, der Holyballs, erzählt, lebt heute in London.

Muhammad Al-Bissati (Ägypten) - Hunger
Roman, aus dem Arabischen von Hartmut Fähndrich

Wenn der Magen leer ist und lange leer bleibt, breitet sich diese Leere im ganzen Menschen aus. Sie bemächtigt sich seines Gehirns und seiner Emotionen. Die Suche nach Nahrung wird zum Lebensinhalt, der Mangel zum Dauergedanken. Und der Hunger treibt zu anderen Fragen – existentiellen, politischen, theologischen –, denn er macht auch Klassenunterschiede sichtbar, die sich durch vereinzelte Aktionen der Nächstenliebe nicht übertünchen lassen.
Diesen Zustand führt Muhammad al-Bissati in seinem neuen Roman vor. Am Beispiel einer Familie aus einer ägyptischen Kleinstadt zeigt Hunger die täglichen Anstrengungen der Nahrungsbeschaffung und die Visionen, die über das tägliche Brot hinausgehen. Der Roman gibt so auch einen Einblick in gesellschaftliche Gruppen, deren Stimmen in Zukunft unüberhörbar werden, steht doch der Hunger weit oben auf der Liste der ungelösten Probleme dieser Welt.

Claudia Piñeiro (Argentinien) - Die Donnerstagswitwen
Roman, aus dem Spanischen von Peter Kultzen

In Die Donnerstagswitwen erzählt Claudia Piñeiro eine Kriminalgeschichte von der Wirtschaftskrise, die auch die Wohlhabenden in den abgeschirmten Nobelvierteln von Buenos Aires erreicht hat. Die tiefen Risse hinter den glatten Wohlstandsfassaden werden sichtbar: Alkoholismus, Affären, Ehezwist, Kälte. Drei Ehemänner treiben leblos im Swimmingpool. Es scheint, als hätten die Männer den sozialen Abstieg um jeden Preis verhindern wollen ...
Piñeiro hat für ihre besonderen Kriminalromane viel Beachtung bekommen. Die Donnerstagswitwen wurde in Argentinien vor kurzem verfilmt.

Kettly Mars (Haiti)  - Fado
Roman, aus dem Französischen von Antje Tennstedt

Nach der Trennung von ihrem Mann erfindet Anaïse sich eine neue Identität und wird zu Frida, einer Prostituierten in einem Bordell von Port-au-Prince. Dank Frida ergreift sie wieder Besitz von ihrem Körper und glaubt aufs Neue an die Liebe. Ein sinnlicher und melancholischer „bewundernswert komponierter“ (Yves Chemla, Africultures), Roman, der im Rhythmus des Fado die Grenzen von Vernunft und Wahn, Leben und Tod verschwimmen lässt. Kettly Mars, die eine aktive rolle im Kulturleben Haitis spielt, ist durch ihre Lyrik bekannt geworden. Fado ist ihr dritter Roman.

Bücher 2009 ^


 

Nathacha Appanah (Mauritius) - Der letzte Bruder (Le dernier frère)
Roman, aus dem Französischen von Karin Krieger (ca. 200 Seiten) - nicht mehr lieferbar

Nathacha Appanah wird in ihrer Wahlheimat Frankreich seit Jahren von Kritik und Publikum gefeiert. Jenseits aller Postkartenidylle zeigen ihre Bücher ein uns unbekanntes Mauritius. "Der letzte Bruder" erzählt die Geschichte der Freundschaft zwischen den zwei Jungen Raj und dem viele Rätsel aufgebenden David. Erst Jahre später entdeckt Raj das Geheimnis des verlorenen Freundes, das verwoben ist mit einer lange verdrängten Schuld der Insel. Und erst am Ende seines Lebens hat er den Mut, sich den Erinnerungen zu stellen, die er seit seiner Kindheit tief in sich verschlossen hat.
Nathacha Appanah wurde 1973 auf Mauritius als Tochter einer indischstämmigen Familie geboren und lebt heute als Journalistin in Paris. Sie begann bereits in ihrer Jugend zu schreiben. "Der letzte Bruder" ist ihr vierter Roman. Er wurde in mehr als fünfzehn Sprachen übersetzt. Appanahs „Stärke liegt in der Schlichtheit ihrer Sprache und dem Vermögen, kraftvolle Bilder herauf zu beschwören.“ Le Nouvel Observateur.

Sinan Antoon (Irak / USA) - Irakische Rhapsodie (I’jaam)
Roman, aus dem Arabischen von Hartmut Fähndrich (ca. 200 Seiten)

Furât, inhaftierter Anglistikstudent und angehender Schriftsteller, bekommt von einem Mitinsassen unbeschriebene Blätter zugesteckt, die er in einer unleserlichen Schrift zu füllen beginnt. Ein gefährliches Unterfangen. Das Land befindet sich im Ersten Golfkrieg, das totalitäre Regime duldet keinerlei Kritik. Im Gefängnis ist Furât Folter und Demütigungen ausgesetzt. Die weißen Seiten geben ihm ein Stück Freiheit zurück. In faszinierendem Wechsel zwischen Erinnerung und Gegenwart, Angst- und Wunschträumen schildert der junge Mann das Leben der Studenten voller abstruser Verordnungen und Verbote, aber auch die glücklichen Momente mit seiner Geliebten Arîdsch und seiner Großmutter – zwei unangepassten Frauen. 
Sinan Antoon wurde 1967 als Sohn eines irakischen Vaters und einer amerikanischen Mutter geboren, seit 1991 lebt er in den USA. Er schreibt Gedichte (The Baghdad Blues 2007) und Essays. Antoon ist auch als Übersetzer und Dokumentarfilmer (About Baghdad, 2004) tätig. Der Assistenzprofessor an der New York University ist 2008/09 „Fellow“ am Wissenschaftskolleg zu Berlin.

Mohammed Hanif (Pakistan) - Eine Kiste explodierender Mangos (A Case of Exploding Mangoes)
Roman, aus dem Englischen von Ursula Gräfe (ca. 360 Seiten) -- nicht mehr lieferbar

Am 17. August 1988 explodiert das Flugzeug des pakistanischen Präsidenten Zia ul-Haq. An Bord befinden sich neben dem Militärdiktator und treuesten Verbündeten der USA im Krieg der Mudschaheddin gegen die Sowjets einige seiner ranghöchsten Generäle und der US-Botschafter Arnold Raphel. Bis heute ist es eine der großen offenen Fragen in der Geschichte Pakistans, ob es sich bei dem mysteriösen Absturz um einen Unfall oder um ein Attentat handelte.
Hanif greift dieses Ereignis auf und entwickelt daraus einen Roman mit anarchischer Komik und schwarzem Humor. "Eine Kiste explodierender Mangos" ist eine vielschichtige, brillant und höchst spannend erzählte Satire über Männer, Macht und Militär, die vor dem Hintergrund des historischen Ereignisses die Verstrickungen auch der gegenwärtigen globalen Politik aufdeckt.
Mohammed Hanif, geboren 1965 in Okara/Pakistan, war Pilot der pakistanischen Luftwaffe, bevor er eine Karriere als Journalist einschlug. Er schrieb Theaterstücke und Drehbücher. Heute leitet er den Urdu Service des Radiosenders BBC. 
"Eine Kiste explodierender Mangos" ist sein erster Roman, der schon kurz nach Erscheinen für den Man Booker Prize nominiert wurde.

Teresa Ruiz Rosas (Peru) - Die verwandelte Frau (La mujer cambiada)
Roman, aus dem Spanischen von José Enrique Chirinos (ca. 200 Seiten)

In einer angesehenen Schönheitschirurgiepraxis in Lima stellt Elvira Peña Dr. Bustíos vor eine große Herausforderung: Sie möchte eine andere werden. Ohne nach den Motiven zu fragen, führt der Chirurg die Operation durch und verändert somit nicht nur Elviras Leben, sondern auch sein eigenes. Elvira überzeugt den Arzt, der sich auf dem Gipfel seines Ruhmes befindet, die Reichen von Lima und ihre Falten- und Busenprobleme hinter sich zu lassen und mit ihr in Arequipa eine Praxis der ganz anderen Art zu eröffnen: Hier sind die Patienten Menschen, die die Operationen wirklich brauchen – Opfer von Unfällen etwa oder auch Menschen auf der Flucht, wie auch Elvira Peña. Sie flüchtet vor den Terroristen des „Leuchtenden Pfades“, die während der Unruhen in Peru ihren Geliebten entführt haben. Sie flüchtet aber auch vor ihrem Ex-Mann und muss sich am Ende doch einer ganz anderen Wahrheit stellen.
Die Autorin und Übersetzerin Teresa Ruiz Rosas wurde 1956 in Arequipa/Peru geboren. Ihr erster Roman "Der Kopist" (übers. v. Alicia Padrós) ist 1996 im Amman Verlag erschienen, dann folgte "Wer fragt schon nach Kuhle Wampe" 2008 im Verlag Ralf Liebe. Die Autorin lebt in Köln.

Bücher 2008 ^


 

Abdourahman A. Waberi (Djibouti)  - In den Vereinigten Staaten von Afrika (Aux États-Unis d’Afrique)
Roman, aus dem Französischen von Katja Meintel (rd. 160 Seiten) 

Eine satirische Parabel über eine ganz andere Weltordnung: Die Vereinigten Staaten von Afrika genießen unermesslichen Reichtum und Komfort, Megastädte entstehen, und die afrikanischen Wissenschaftler und Künstler lassen sich weltweit feiern, derweil das zerrüttete „Euramerika“ im Notstand versinkt und die Weißhäutigen in Massen ins Exils getrieben werden. Die prosperierende afrikanische Staatengemeinschaft zwingt ihre wirtschaftliche, militärische und kulturelle Vorherrschaft den anderen Kontinenten auf, bezahlt wird weltweit mit der AfriCard. 
Protagonistin dieser außergewöhnlichen Politsatire ist Maya, eine junge Malerin. In der Normandie geboren und von einem gut meinenden Paar in Asmara adoptiert, begibt sie sich nach dem Tod der Adoptivmutter auf die Suche nach ihren eigenen Wurzeln. Sie findet ihre leibliche Mutter in einem Slum in der Normandie, kehrt aber dem Elend schnell wieder den Rücken. Die Eindrücke ihrer Reise setzt sie jedoch künstlerisch um und macht den Exotismus zu ihrem Markenzeichen. 

Abdourahman Waberi wurde 1965 in Djibouti geboren und lebt heute in der Normandie. Er gilt als Nationalschriftsteller Djiboutis. Bislang hat er neun Bücher geschrieben, die in acht Ländern erschienen sind. Die französische Zeitschrift Lire zählt ihn zu den 50 wichtigsten und einflussreichsten zeitgenössischen Autoren.

Wendy Guerra (Cuba) - Alle gehen fort (Todos se van)
Roman, aus dem Spanischen von Peter Tremp (rd. 280 Seiten)

Im ersten Teil dieses Tagebuchromans berichtet die neunjährige Nieve vom Leben mit ihrer „Hippie-Mutter“ und deren schwedischen Partner. Als jedoch ihr alkoholkranker Vater das Sorgerecht zugesprochen bekommt, beginnt für Nieve ein Alptraum aus Hunger, Schlägen und Vernachlässigung von ihr – und das ist charakteristisch für das Buch – in einer äußerst distanzierten, dadurch aber umso eindringlicheren Sprache beschrieben.
Sechs Jahre später ist das Tagebuch noch immer Nieves bester Freund. Mittlerweile lebt sie wieder mit ihrer Mutter in einem Haus in der Hauptstadt, das Treffpunkt vieler Künstler ist. Nieve jedoch hat ihren Platz im Leben noch nicht gefunden. Ohne zu urteilen reflektiert sie über das alltägliche Leben im Havanna der ausgehenden 80er, als z. B. eine Musiksendung abgebrochen wird, weil der Sänger „wohl irgendwie das Wort ‚Freiheit’ auf eine Weise gesagt hat, die nicht gefällt“.

Wendy Guerra (*1970 in Havanna) studierte Film-, Radio- und Fernsehwissenschaften und ist in Kuba hauptsächlich als Schauspielerin und Lyrikerin bekannt. Sie gewann mit Todos se van den Premio de Novela Bruguera 2006. Der erfolgreiche katalanische Autor und Juror für diesen Preis Eduardo Mendoza lobte die „Authentizität und Ehrlichkeit des Buches“.

Raúl Argemí (Argentinien) - Chamäleon Cacho (Penúltima nombre de guerra)
Roman, aus dem Spanischen von Susanna Mende (rd. 160 Seiten)

Ein Krankenhaus, irgendwo in der tiefsten argentinischen Provinz. Manuel Carraspique, Journalist aus Buenos Aires, wacht aus dem Koma auf: Autounfall, Beifahrer tot, Amnesie, er weiß nur noch seinen Namen und Beruf. Im Nebenbett liegt, bis zur Unkenntlichkeit in Verbandsstoff eingewickelt, Prudencio Márquez, ein irrer indianischer Exorzist. In halluzinierenden Gesprächen erzählt Márquez von Cacho, genannt das Chamäleon, der nach Bedarf in jede Rolle und Identität schlüpfen kann: Dealer, Priester, Arzt, oder auch gefürchteter Exekutor namens Teniente Cacho. Doch wer ist Cacho wirklich? In einem atemberaubenden Verwirrspiel verwischen sich die Grenzen zwischen Gegenwart und Vergangenheit, Erinnern und Vergessen, Wahrheit und Lüge, Gut und Böse.

Der argentinische Autor Raúl Argemí (*1946) verbrachte während der Militärdiktatur zehn Jahre im Gefängnis. Nach seiner Freilassung arbeitete er als Redakteur in Patagonien, seit 2000 lebt er in Spanien. Für Kriegsname „Chamäleon“, seinen dritten Roman, erhielt er den Premio Dashiell Hammett und den Premio Luis Berenguer.

José Eduardo Agualusa (Angola) - Das Lachen des Geckos (O Vendedor des Passados)
Roman, aus dem Portugiesischen von Michael Kegler, 184 Seiten - nicht mehr lieferbar

Félix Ventura geht einer ungewöhnlichen Tätigkeit nach: Er handelt mit erfundenen Vergangenheiten. Seine Kunden sind Minister, Landbesitzer und Generäle, Menschen der neuen angolanischen Oberschicht. Sie alle blicken in eine gesicherte Zukunft, was ihnen jedoch fehlt, ist eine glanzvolle Vergangenheit. Ventura erstellt neue Stammbäume für sie, beliefert sie mit Fotografien von illustren Vorfahren und versorgt sie mit glücklichen Erinnerungen.
Doch eines Nachts kommt ein Fremder in sein Haus, dem er eine neue angolanische Identität verschaffen soll. Venturas Schöpfung auf den Namen José Buchmann beginnt den Fremden so sehr zu fesseln, dass er sich zunehmend mit der erfundenen Person identifiziert und sich auf die Suche nach den Figuren seiner gekauften Vergangenheit begibt.
Agualusas wendiger Erzähler nimmt uns mit auf eine spannende und poetische Reise durch die wechselnden Landschaften von Erinnerung und Geschichte, in eine Welt, in der die Wahrheit sich von einem Moment zum anderen verändert.
José Eduardo Agualusa, geboren 1960 in Huambo/Angola, studierte Agrarwissenschaft und Forstwirtschaft in Lissabon. Er veröffentlichte Gedichte, Erzählungen und Romane, die in zahlreiche Sprachen übersetzt wurden.

 

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